PLATTENKISTE // THE GLOVE

The Glove war ein kurzlebiges Bandproject der Briten Robert Smith (The Cure) und Steven Severin (Siouxsie & The Banshees). Nachdem es Anfang der 80er bei beiden Bands aus verschiedenen Gründen kriselte, entschieden Smith und Severin, die sich durch das gemeinsame Touren und Smiths Aushilfe an der Gitarre in Siouxsies Combo kannten, ihren Energien in einem Sideprojekt Luft zu machen. Unter dem Namen „The Glove“, der vom überdimensionalen, fliegenden Handschuh aus dem Beatles Film Yellow Submarine stammt, veröffentlichten sie ein einziges Album namens Blue Sunshine, dessen Titel sich wiederum auf den gleichnamigen Film von Jeff Lieberman bezieht.

Die 2 Singles „Like An Animal“ und „Punish Me With Kisses“, bei denen jeweils Jeanette Landray (Freundin von Budgie, Drummer der Banshees) am Mikrofon war, sind mir persönlich too much. Zwar lässt sich, vor allem bei „Like An Animal“, der typische luftige Gitarren Sound der späteren Cure raushören, dutzende Layer aus 80s-Synthie Effekten, Drumrolls und der weitesgehend glanzlose Gesang Landrays machen aus dem Titel einen höhepunktlosen Soundbrei.

Da Smith durch sein Label vertraglich als Sänger an The Cure gebunden war, konnte er den Singles nicht seine Stimme leihen. Auf 2 Tracks des original Releases ist er dann aber doch zu hören („Mr. Alphabet Says“ / „Perfect Murder“). Mit dem 2006er Re-Release der Platte kamen noch einige bisher Unveröffentlichte hinzu.

Während „Mr. Alphabet Says“ eine recht eingängige Nummer mit rumpligem, monotonem Wave-Schlagzeug und einer catchy Melodieführung an Klavier und Cello ist, merkt man, dass Smith und Severin teilweise etwas ihrer Experimentierfreude Leine lassen wollten. Das sphärische Synthie-Stück „Perfect Murder“ wird hauptsächlich hin und wieder durch Xylophonsounds strukturiert und klingt ansonsten wie etwas, mit dem Air ihren Spaß hätten. Die improartige Instrumental Nummer „A Blues In Drag“ ist Kaugummi-Ambient mit viel Delay am Klavier und dümpelt so vor sich hin ohne etwas zu wollen.

Insgesamt ist „Blue Sunshine“ ein nettes Album, dem zur experimentellen Underdog-Perle aber die Visionen eines Mark Hollis fehlen. Trotzdem schön.

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