PLATTENKISTE // DAX RIGGS

 

Dax Riggs und seine Projekte verfolge ich schon einer ganze Weile. Der Mann ist leider nach wie vor viel zu unbekannt, für die Perlen die er bisher komponiert hat.

Riggs‘ erste richtige und gleichzeitig bekannteste Band (abgesehen von seiner Jugendband Corruption, die aber nie live spielten) war die Sludge-Metal Formation Acid Bath (zuvor Golgotha). Die Band existierte von 1991-1997 und veröffentlichte 2 Alben (beide auch auf Vinyl), jeweils mit Bildern von Serienmördern als Cover. „When The Kite String Pops“ zeigte ein Gemälde von John Wayne Gacy und „Paegan Terrorism Tactics“ eines von Jack Kevorkian. Bei den Songs erkennt man Riggs‘ markanten Gesang schon ganz gut, der Sound war aber noch sehr blechern und geschrien wurde auch nicht wenig. Am Groove sollten aber Stoner Fans ihren Spaß haben.


Zum Ende von Acid Bath spielte Riggs noch bei Daisyhead & The Mooncrickets, das aber ohne jeglichen Erfolg oder Veröffentlichungen. Ebenfalls nicht besonders erfolgreich war das Folgeprojekt Agents of Oblivion, deren einziges selbstbetiteltes Album ich höchst fantastisch finde. Prinzipiell hätte das auch schon ein Deadboy & The Elphantmen Album sein können. Teilweise ist der Sound noch etwas härter, aber die doomigen Gitarren und der jammernde Gesang gleicht sich schon sehr an.


2000 gründete Riggs dann Deadboy & The Elephantmen. Ursprünglich als Solo Projekt geplant, kam dann später doch ein Band Setup zusammen, von dem aber nur Tessie Brunet übrig blieb. Insgesamt existierte die Band 7 Jahre und produzierte 2 Alben. Ersteres („If This is Hell, Then I’m Lucky“) war das erste was ich von Dax Riggs kannte und musste ich mir damals extra aus England importieren lassen, weil ich es nirgendwo auftreiben konnte. Persönlich ist es nach wie vor mein Lieblingsrelease. Die Songs sind zwar verquer und dreckig, enthalten sich aber nicht der Epik. „Song With No Name“ ist eine Hymne für mich. Erst die Streicher-Begleitung und der jaulende Gesang und dann krachen die tiefen Gitarren verspätet in den Refrain rein, dass einem das Haupthaar flattert. Ein Fest.

Deadboy & The Elephantmen haben dann auf ihrem zweiten Album („We Are Night Sky“) einige ältere Songs, die man vor allem schon von den massenhaften Bootleg Live Aufnahmen des eingeschworenen Fankreises kannte, verarbeitet. Der Sound ging aber deutlich mehr gen Rock’n Roll. Simpel aber fett. Hervor sticht vor allem das brachiale „Stop, I’m Already Dead“, dass tatsächlich durchweg mit 2 Akkorden aus kommt.

Überschneidend begann Dax Riggs an seinem Solo Projekt zu tüfteln. 2007 veröffentlichte er sein erstes offizielles Solo Album unter dem Namen „We Sing of Only Blood or Love“. Hier fing er ganz klassisch an vermehrt mit Rock-, Blues- und Country-Elementen zu arbeiten, jedoch ohne jemals komplett den Draht zum alten, dreckigen Sound zu verlieren. Ein herrlicher On-The-Road Soundtrack, voller obskurer Thematiken.

Sein aktuellster Release heißt „Say Goodnight To The World“ und hat mich beim ersten Hören schon aus den Sandalen gehauen. Zum einen endlich wieder ein Vinyl-Release, zum anderen hat Riggs hier noch mal alles aus der Vergangenheit zusammen gekehrt. Der Titeltrack ist eine holprige Stoner Nummer, „Let Me Be Your Cigarette“ treibt schweinerockartig nach vorne und das Elvis Cover „Heartbreak Hotel“ macht aus dem beschwingten Rock’n Roll Song eine Todesmelodie, die einem Lynch Film entsprungen sein könnte. Exzellent.

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