PICKUPS // HAMBURG

Letzte Woche war ich wieder in Hamburg und hab dort die Zeit ein wenig genutzt mal effektiv die Plattenladen-Landschaft zu erkunden. Beziehungsweise war ich ein paar Tage zuvor bereits wegen Game-Stores unterwegs, konnte aber neben dem liebevoll eingerichteten 2nd Reality in Wandsbek nichts nennenswertes aufspüren. Den würde ich an dieser Stelle aber mal wärmstens empfehlen. 

So. Platten. Wie sich das gehört, hab ich mir in mühsamer Heimarbeit einen penibel ausgearbeiteten Plan erstellt, der, mit Ausnahme weniger Ausreißer, knapp 20 Plattenläden im Kerngebiet Hamburgs umfasste, Soviel vorweg, ich habe nicht mal ganz die Hälfte geschafft, obwohl viele der Läden, vor allem im Schanzenviertel und St. Pauli, wirklich dicht beieinander liegen.

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Meine Tour startete in der Nähe des Jungfernstiegs, da hab ich zuvor einen alten Freund besucht, der im Mantis Life Store arbeitet, ein kleines Mekka for all your Skater-Needs voller netter Leute und gutem Kaffee.

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Der nächste Anlaufpunkt von dort aus war dann Pure Soul Records, ein kleinerer Laden mit Augenmerk auf Soul, Funk, Blues, Jazz und mehr. Da gabs einige Regale mit Pauschaldeals für einen Fünfer und da waren diverse Schätze dabei.

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Meine Begleitung hat dann gleich 2 dieser Schätze unter meiner Nase weg geschnappt. Hunky Dory von Bowie und Déjà vu von Crosby, Stills, Nash & Young. Beide nicht besonders rar, aber zu dem Preis eher selten zu finden und tatsächlich in meiner Sammlung noch schmerzlich vermisst, da prinzipiell hervorragend. But that’s just the way Record Chasing go.

Ich hab mir New Values von Iggy Pop und Notice to Appear von John Mayall, beide in hervorragendem Zustand, geschnappt. In weiser Voraussicht auf die kommende Tour, hab ich einige Platten liegen lassen. 

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Danach gings weiter Richtung Schanze, zu Ruff Trade Records in der Feldstraße, wo ich den Jackpot des Trips landen konnte. Der Laden ist insgesamt bis unter die Decke gefüllt mit Sahnehäubchen, vor allem auch in Special-Interest Bereichen. 

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Ich hatte die Platte bereits quer durch den Raum erspäht und dachte noch, dass das gleich ein trauriger Moment wird, wenn ich mir das Preisschild anschaue. Ich hatte die zuvor immer mal wieder online verfolgt, aber war nie Willens so viel dafür zu berappen. Zur Zeit ist sie ein einziges mal auf ebay für €199,-. Entsprechend verblüfft war ich, dass der gute Mensch €32,- dafür haben wollte, was ja eigentlich ein No-Brainer ist. Zumal Kruder Dorfmeisters K&D Sessions ohnehin schon auf 4 LPs kommt. 4 wundervolle Platten wie aus einem Guss und neben Massive Attacks Mezzanine und Bohren & Der Club of Gores Black Earth ganz oben auf meiner Most Wanted Liste.

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Als wäre das nicht genug für einen Zwischenstopp fand ich im gleichen Store dann noch die Blue Sunshine von The Glove, jenem etwas in Vergessenheit geratenem Sideprojekt von Robert Smith und Steven Severin, über das ich hier bereits schon mal geschrieben hatte. Und das hier ist die Erstpressung von 1983, nicht der Rerelease zum Recordstore Day 2013.

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Ein bisschen weiter ums Eck ist dann die Hanseplatte, ohnehin einer der bekannteren Läden in Hamburg, der sich zwar auf Firsthand spezialisiert, dafür aber eine fantastische Auswahl hat, inklusive persönliche Empfehlungen von Künstlern selbst und Release-Gigs im Laden, wie kürzlich erst von Trümmer zu deren Debüt. 

Ich war dann noch im Groove City, die einen Schwerpunkt im Bereich HipHop, R’n’B, Soul, Reggae etc. haben. Weiß nicht ob die Verkäuferin einen schlechten Tag hatte, aber sagen wir mal mit offenen Armen wurde ich dort nicht empfangen und die Preise haben mich jetzt auch nicht aus den Socken gehauen. Alles in allem kein schlechter Laden, ich bin da aber nicht glücklich geworden. Eins weiter beim Fischkopp hab ich zwar auch nichts mit genommen, die Auswahl war aber top. Hauptsächlich Punk und Hardcore, viele Raritäten, aber alles auch zu seinem Preis. Wenn man speziell was in der Ecke sucht, wird man da ziemlich sicher auch fündig.

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20140827_161931Die Zeit wurde dann schon langsam knapp, deswegen gings dann noch weiter zur Sternschanze noch ein paar Läden abklappern. Nächster Stopp war Burnout Records. Beim durchwühlen hätte ich jetzt keine 2nd Hand Sachen gesehen, die Auswahl war aber trotzdem top. Der erste Laden in dem ich z.B. eine feine Selektion an aktuellerem Garage-Punk gesehen hab, darunter Hunx & His Punx, Natural Child und Dead Ghosts, also viel Burger Records kram, leider meist die US-Releases und nicht vom Kollegen bei Bachelor Records aus Adnet (da aber unbedingt mal den Online Shop auschecken!). 

Mein letzter Stopp für die Tour war dann der Zardoz am Schulterblatt. Zumindest an diesem Tag der größter Store in dem ich war. Ich war auch schon bei meinem letzten Hamburg Besuch dort. Da war ich auch beim Freiheit & Roosen in St.Pauli, der mir mitunter am besten gefallen hatte. Zardoz ist einer dieser Läden, der viele Wühlkisten hat, da kann man gut von 50 Cent bis 2 Euro ein paar Lücken in der Sammlung auffüllen. Der hat aber auch so eine super Auswahl quer durch alle Genres zu sehr fairen Preisen. Da hab ich dann auch die meisten Platten aufgegriffen. 

Darunter Flaunt It von Sigue Sigue Sputnik in sensationellem Zustand und Punkrock von den Goldenen Zitronen, auf die zwar der Christliche Jugendsozialdienst seine Initialien mit Edding gekritzelt hat, dafür gabs die aber auch für 3 Euro. 

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Aus den Wühlkisten hab ich mit noch Songs of Love and Hate von Cohen, eine Greatest Hits von den Stones, 20th Century Lee von Lee Hazlewood, auf der auch That’s How I Got To Memphis drauf ist, das Natural Child auf For The Love Of The Game gecovered hatten und Live Bullet von Bob Seger and the Silver Bullet Band gegriffen, wegen der feinen Live Aufnahme von Turn The Page, eh klar.

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Außerdem war ich zuvor noch bei der Flohschanze, wie der Name vermuten lässt ein Flohmarkt auf der Schanze. Da wurde ich ebenfalls mit Tango 2000 von Nichts und Rauschs 1989er Debüt-Album in sagenhaftem Design fündig.

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Alles in allem ein mehr als erfolgreicher Trip. Sobald man das Gefühl abgewimmelt hat, dass diese fast schon überkarikiert coole Stadt einen wie gehabt, wie eine ahnungslose Dorfpunk-Niere, abzustoßen versucht, vollends zu empfehlen. Wer selbst ein paar Plattenläden dort abklappern möchte, der kann sich meine Karte hier abrufen. Da sind nicht alle Läden dabei und ich konnte auch wie gesagt nicht alle aufsuchen, da kommt man aber prinzipiell ganz gut mit hin.

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